Quelle: Siebenbürgische Zeitung, 15. Dezember 1998
Für sein Buch “Abtsdorf. Ein ehemals deutsches Dorf in Siebenbürgen” erhielt Michael Konnerth kürzlich beim Sitz des Württembergischen Genossenschaftsverbandes im GENO-Haus Stuttgart einen der drei Landespreise für Heimatforschung 1998 ausgehändigt. Zudem wurde ein Jugendpreis verliehen.
Zur Preisverleihung war eine starke Delegation aus Bad Rappenau angereist; darunter Gerd Zimmermann, Bürgermeister der Stadt und Mitglied im baden-württembergischen Landtag, Max Lux, Direktor der Kur- und Klinikverwaltung Bad Rappenau und Hans Peter Schmidt, Marketingleiter bei derselben Kur- und Klinikverwaltung, ferner Mirglieder des Bad Rappenauer Heimatvereins und des Freundeskreises “Städtisches Museum Bad Rappenau”. Aber auch mehrere Siebenbürger Landsleute aus dem Großraum Stuttgart waren zugegen, darunter Funktionsträger der Landesgruppe Baden-Württemberg (Erna Zelleres, Otto Depner), ebenso zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Geschichtsforschung sowie Medienvertreter.
Was den Ausschlag für den Landespreis ür Heimatforschung gegeben hatte, war die gründliche Recherche, die Informationsfülle von Konnerths Arbeit sowie die Wissenschaftlichkeit und Anschaulichkeit der Darstellung. Nicht zuletzt hob die Jury den Beitrag hervor, den das Buch zur Stärkung des Selbstbewusstseins und der Integration der ausgesiedelten Abtsdorfer in ihrer neuen Heimat leiste.
Der Landespreis für Heimatforschung Baden-Württembergs wird seit 1982 jährlich für besonders bemerkenswerte Arbeiten zur Heimatforschung verliehen und ist eine gemeinsame Stiftung der Landesregierung, der Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie des Landesausschusses für Heimatpflege. Mehr als 300 Einsendungen wurden in diesem Jahr durch eine Jury begutachtet, Michael Konnerth war mit seiner 750 Seiten umfassenden Arbeit unter den Preisträgern. Staatssekretär Rudolf Köberle vom Ministerium für Kultur, Jugend und Sport würdigte die Preisträger zusammen mit Erwin Kuhn, Präsident des Württembergischen Genossenschaftsverbandes. Köberle betonte, dass die Heimatforschung wesentlich dazu beitrage, ein Bewusstsein der eigenen Identität und des eigenen Standortes zu erwerben. Heimatgefühle zu haben, sei ein Urbedürfnis des Menschen, das geachtet und gefördert werden müsse. Köberle: “In der Heimat erfahren wir die Nähe, finden wir Vertrautes und werden geprägt, hier liegt für uns die Wiege jeglicher Sozialisation und Kultur. Gleichzeitig befähigt uns die Heimat, weltoffen die Fremde zu ergründen und uns darin zurechtzufinden.” Er gratulierte den Preisträgern und dankte ihnen “für die viele Zeit, Mühe und Liebe, die Sie in Ihre Werke der Heimatforschung investiert haben. Sie dürfen stolz sein auf Ihre Werke. Sie haben sich für Ihre Heimat verdient gemacht.”
Erwin Kuhn betonte: “Nur wer sich seiner Wurzeln bewusst ist, wird seine Identität im weltweiten Wettbewerb der Regionen bewahren.”
Bürgermeister Zimmermann ging kurz auf die Tätigkeiten Konnerths in der Kur- und Bäderstadt ein, deren geistiges Leben er seit zwölf Jahren wesentlich mitgeprägt habe. Als Dank dafür werde ihm die Stadt Bad Rappenau demnächst eine hohe Auszeichnung überreichen, kündigte das Stadtoberhaupt an. Konnerth dankte für den Preis und erwähnte die finanzielle Unterstützung, die das Buch durch Bürgermeister Zimmermann und den Heimatverein Bad Rappenau erfahren hatte.
Für musikalische Umrahmung sorgten Michael Bach Bachtischa (Cello) und Stefan Hussong (Akkordeon) vom Kammerorchester Stuttgart mit Bachs Sonate in G-Dur, BWV 1027.
Danach lud Hartmut Sandmann, Marketingleiter der Badischen Volksbanken und Raiffeisenbanken, zu einem Stehempfang im Foyer ein, wo auch die preisgekrönten Bücher ausgestellt waren.
Michael Konnerth (Jahrgang 1939) ist gebürtiger Abtsdorfer. Nach Besuch der Volkschule in seiner Heimatgemeinde und in Agnetheln sowie des Brukenthal-Gymnasiums in Hermannstadt, studierte er Geschichte und Philosophie an der Universität Jassy. Danach wirkte er 22 Jahre lang als Fachlehrer und als Schulleiter in der Burzenländischen Gemeinde Honigberg. Nach seiner Aussiedlung 1983 war Konnerth zunächst beim Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrat in Gundelsheim tätig, bevor er 1986 nach Bad-Rappenau als städtischer Kulturbeauftragter wechselte, wo er auch heute u.a. als verantwortlicher Redakteur des Bad Rappenauer Heimatboten und des Kurmagazins “Sole” tätig ist. Seit 1989 bildet die Heimatforschung einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit. Er hat bislang fünf Bücher mit sehr unterschiedlicher Thematik über Bad Rappenau und seine Ortsteile sowie rund 60 Aufsätze zur Ortsgeschichte von Bad Rappenau sowie über Burgen, Schlösser, Kirchen und Kapellen in der Umgebung verfasst.
Die Abtsdorfer sind stolz darauf, dass der Begründer ihrer hiesigen Nachbarschaft und langjährige Nachbarvater eine so hohe Auszeichnung erhalten hat. Dies um so mehr, als er den Preis für ein siebenbürgisches Buch bei einem Wettbewerb zugesprochen bekam, der eigentlich für hiesige Heimatforscher gedacht ist und an dem über 300 Bücher über baden-württembergische Ortschaften teilnahmen.