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Abtsdorf (bei Agnetheln)
- ein ehemals deutsches Dorf in Siebenbürgen

Glücksbringer

Glücksbringer sind meistens kleine, schmucke Dinge wie Marienkäferchen, Hufeisen, Schwein u.a. deren Erklärung auf Legenden und Aberglauben beruhen. Schön ist, daß viele Menschen fest daran glauben und sie zum Jahreswechsel an liebe Freunde wegschenken.
Das will auch ich an dieser Stelle tun, damit Ihr auch etwas von mir habt.

Am Silversterabend, kurz nach Mitternacht, geht es schon los. Es sind die unzähligen Knallkörper, die wie Raketen in den nächtlichen Himmel geschossen werden und in wunderbaren Farben aufleuchten. Sie sollen das Böse aus der Welt vertreiben und ein neues Jahr soll kommen. Bei diesen Bildern, muss ich mich an meine Kindheit in Abtsdorf erinnern, wo alles anders war. Da waren wir Kinder die echten Glücksbringer.

Gleich nach Weihnachten begannen unsere Eltern mit uns einen Glückwunsch zu üben, eine “Wäntsch”. Jeder von uns fing einmal klein an: Ich wünsche Euch ein Neues Jahr, Eurer Geis weißes Haar, Eurem Büffel einen krummen Horn… Das war schon ein schöner Glückwunsch, denn auch ein Bauer hat ganz klein angefangen. Mit dem auswendig gelernten Glückwunsch, dem Alter des Kindes angepaßt, machten wir uns auf den Weg zu unseren lieben Verwandten, nicht bevor die Mutter noch einmal erinnerte welches unsere Goden und Paten sind.
Und schon waren wir verschwunden, denn die Zeit war knapp. Bis zum Gottesdienst mußten wir wieder zu Hause sein. Wir brachten schöne Kuchen, Äpfel, Nüsse und sogar Geld heim. Das kam sofort in die Sparbüchs'. Wir waren jetzt überglücklich.

Als alter Abtsdorfer würde ich aus wirtschaftlicher Sicht, die verschiedenen Glücksbringer über das ganze Kalenderjahr hindurch verteilen.
Das Hufeisen gehört zweifellos zum Pferd. Ohne dieses kann es, so wie auch wir ohne Schuhe, auf harter Straße schlecht laufen. In den verschneiten Wintertagen mußten unsere Pferde gut beschlagen sein. Mit ihnen holten wir in der kalten Jahreszeit das Holz aus dem Wald, fuhren zur Mühle ins Nachbardorf und zum Doktor in die Stadt, wo wir auch einkauften. Das Pferdegespann war eigentlich unser Auto von heute. Es brachte uns bei jedem Wetter überall hin. Und das, ohne das teure Benzin. Wie glücklich war der Zigeuner, der unverhofft ein Hufeisen am Wegesrand gefunden hatte. Er eilte zu seiner Frau: “Ich habe dieses Hufeisen gefunden. Jetzt brauchen wir nur noch drei davon und ein Pferd, dann schaffen wir es”.

Mit den ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr, wird auch das Marienkäferchen wach. Der liebe Gott hat es herab zu uns Menschen geschickt. So als Helfer, damit es Schädlinge wie Blattläuse vertilgt. Er hat es, weil es so klein ist, mit einem schönen rot- gepunkteten Kleid ausgestattet, damit wir Menschen es nicht übersehen und entsprechend schützen können. Sein größter Feind ist der Rasenmäher.

Die Legende vom 4-blätterigen Kleeblatt ist auch sehr schön zu lesen. Für uns in Abtsdorf war der Rotklee, auch wenn er in seiner Art nicht vierblättrig war, ein erstklassiges Futtermittel für Pferd, Schwein und Kleintiere. Wiederkäuer durften ihn nur mit Vorsicht genießen. In der Fruchtfolge in der 4 und 5 Felderwirtschaft spielte er auch eine große Rolle.

Im Herbst brachten wir die schönsten Füchte die unsere Felder und Gärten boten auf den Altar unserer schmucken Kirche zum Erntedankfest. Mit Gesang und Gebet dankten wir Gott dem Schöpfer für diese reichen Gaben, unsere Ernte.
Mit Beginn der kalten Jahreszeit schaute der Kaminkehrer in jeden unserer Haushalte vorbei. Durch seinen Einsatz bewahrte er uns vor Feuergefahr in Haus und Hof. Wie oft sind in der Vergangenheit über den Schornstein ganze Dorfzeilen oder Stadtviertel niedergebrannt.

Ganz oben auf der Liste der Glücksbringer, steht das Hausschwein. Uns Abtsdorfern hat die Schweinehaltung viel Geld gebracht. Außerdem konnte jeder von uns Abtsdorfern zu Weihnachten so ein Borstentier schlachten. Später vielleicht noch eines. So versorgte uns das Schwein das ganze Jahr über mit Speck, Fett, Fleisch und Wurst die wir mit einfachen Mitteln einkonservieren konnten. Auch ohne Kühl- und Gefrierschrank. Das war nicht überall in unserem Land so. Im Altreich (Regat) z.B. gab es an Weihnachten höchstens einen Festhahn und hier in Deutschland einen Gänsebraten, früher in den schweren Zeiten. So ist die Ganz schließlich im Laufe der Zeit zur traditionellen Weihnachtsganz geworden, obwohl es in unserer Zeit Schweinefleisch in Hülle und Fülle gibt. Auch heute gibt es noch diese Redensart: Du hast aber Schwein gehabt. Gemeint ist großes Glück. Und das sogar bei Wetten bei Pferderennen. Schwein steht also für Reichtum. Oder: das kostet ein Schweinegeld. Das ist sehr teuer.

Auch bei uns gibt es auch heute noch Leute die zu Neujahr nicht mit Geflügel kochen, sondern mit der Schnauze vom Schwein. Und das im Glauben: die Schnauze wühlt und gräbt sich überall durch, kommt gut voran, während das Huhn alles verscharrt und nichts auf den Haufen kommt. Das würde dann ein armes Jahr für die Familie bedeuten.

Prosit Neujahr 2009!

Erich Schneider
Ingolstadt
† 19.11.2008

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