1901 Die alte Abtsdorfer Schule wird umgebaut und erweitert.
1910 Die Gemeinde baut für 45.000 Kronen am Südende der "Hougele" die Kanzlei (das Rathaus) mit dazugehörender Notärswohnung.
1912 Das Pfarrhaus wird gründlich renoviert. Das ehemalige Predigerhaus wird für 12.000 Kronen in eine Lehrerwohnung umgebaut (der spätere Kindergarten).
1913 Neben dem Burghüterhäuschen wird für 4.000 Kronen eine zweite Lehrerwohnung errichtet. Südlich vom Glockenturm wird für 16.000 Kronen ein neues Schulgebäude gebaut. Bei dieser Gelegenheit werden die letzten Reste der Kirchenburg abgetragen und das Material für den Schulbau verwendet. Das ehemalige evangelische Schulhaus wird für 9.000 Kronen in einen Gemeindesaal umgebaut.
1914 Am 28. Juli beginnt der Erste Weltkrieg, an dem auch 56 Abtsdorfer Sachsen und 5 Zigeuner teilnehmen. Am Ende des Krieges sind 4 Tote zu beklagen.
1916 Am 28. August dringen drei rumänische Armeen in Siebenbürgen ein und besetzen den südlichen Teil des Landes. Die Abtsdorfer bereiten sich für die Flucht vor. Wäsche und Frucht werden vergraben, die mit Planen versehenen Fluchtwagen stehen ständig bereit. Am 3. Oktober werden von der Front bei Seligstadt etwa 90 verwundete Soldaten nach Abtsdorf gebracht und vom Ortsfrauenverein beköstigt und gepflegt. Am 30. September beziehen etwa 150 deutsche Soldaten und Offiziere unter Hauptmann Berger in Abtsdorf Quartier. Am 16. Oktober wird die große Glocke heruntergeholt und zur Herstellung von Kanonenrohren abgeliefert. Auf dem ehemaligen Predigerhof werden 10 Waisenkinder aus Wien untergebracht. Damit wird der Grundstein für den Abtsdorfer Kindergarten gelegt.
1918 Die Donaumonarchie bricht zusammen. Die Rumänen Siebenbürgens erklären am 1. Dezember den Anschluss an das Königreich Rumänien. Ende des Jahres besetzen rumänische Truppen Siebenbürgen.
1919 Am 8. Januar erfolgt in Mediasch die Anschlusserklärung der Siebenbürger Sachsen an Rumänien. Zum ersten Mal wird in Abtsdorf den Rumänen- und Zigeunerkindern Schulunterricht erteilt. An der Abtsdorfer Schule wird der magyarische Unterricht eingestellt, nach und nach der rumänische Sprachunterricht eingeführt. Ab 1927 werden Erdkunde und Geschichte Rumäniens in rumänischer Sprache unterrichtet.
1920 Die Abtsdorfer Orthodoxen errichten in der "Ziganie" ein eigenes Gotteshaus.
1922 Am 16. Juni findet in Abtsdorf die Generalkirchenvisitation von Bischof Friedrich Teutsch statt.
1924 Am unteren Dorfende wird die rumänische Staatsschule errichtet.
1926 Am 31. Januar erhält der Abtsdorfer Kirchenturm zwei neue Glocken.
1929 Die mittlere, auf die Zeit um 1500 zurückgehende Glocke wird umgegossen.
1938 Neben der orthodoxen Kirche wird ein Glockenturm gebaut.
1939 Am 1. September beginnt der Zweite Weltkrieg
1940 Durch den zweiten Wiener Schiedsspruch wird Nordsiebenbürgen mit dem Szekler Zipfel Ungarn zugesprochen (30. August). Marschall Antonescu übernimmt in Rumänien die Macht (6. September). Auf Druck Berlins erlässt Marschall Antonescu das Volksgruppengesetz (20. November), wonach der deutschen Volksgruppe in Rumänien weitgehende Autonomie gewährt wird. Rumänien tritt dem Dreimächtepakt (Deutschland - Italien - Japan) bei (22. November).
1941 Die Volkszählung ergibt in Abtsdorf folgendes Bild: 521 Sachsen (76,9 %), 5 Rumänen (0,71 %), 158 Zigeuner (22,15 %) und 2 Ungarn (0,35 %), also insgesamt 686 Einwohner. Dies ist die höchste Einwohnerzahl in der Geschichte Abtsdorfs. Rumänien nimmt am Krieg gegen die Sowjetunion teil (ab 22. Juni). Zahlreiche Siebenbürger Sachsen, darunter auch 10 aus Abtsdorf, finden den Tod in den weiten Steppen Russlands. Am 8. November tritt das Gesetz über das deutsche Schulwesen in Rumänien in Kraft. Die deutschen Schulen werden der Deutschen Volksgruppe unterstellt.
1942 Die Abtsdorfer Schule wird von der Volksgruppe übernommen.
1943 Am 22. Mai wird zwischen dem Deutschen Reich und Rumänien das sogenannte "SS-Abkommen" unterzeichnet, wonach die rumänischen Staatsbürger deutscher Nationalität zwischen 17 und 35 Jahren zur Waffen-SS eingezogen werden dürfen. 57 Abtsdorfer reihen sich in die Waffen-SS ein, von denen bei Kriegsende 20 Gefallene und Vermisste zu beklagen sind.
1944 Am 23. August kündigt Rumänien das Waffenbündnis mit Deutschland und erklärt seinem bisherigen Verbündeten den Krieg (25. August). Es beginnt die Sowjetisierung des Landes. Am 27. August wird der letzte sächsische Hann in Abtsdorf, Michael Schuster (115/23), seines Amtes enthoben und an seine Stelle der Rumäne Josif Blaga eingesetzt.
1945 Am 14. Januar werden 95 Abtsdorfer (45 Frauen und 50 Männer) nach Russland verschleppt. Acht davon sterben in den russischen Arbeitslagern oder an den Folgen der Deportation. Ein Großteil der Verschleppten kehrt erst 1949 nach Abtsdorf zurück. Aufgrund des Bodenreformgesetzes vom 23. März wird den Abtsdorfer Bauern - bis auf wenige Ausnahmen - der gesamte Grundbesitz, ferner das Vieh und alle landwirtschaftlichen Geräte gewaltsam weggenommen. Durch staatlich gelenkte Zuwanderung lassen sich in Abtsdorf 36 Rumänen- und 5 Zigeunerfamilien nieder und beziehen zusammen mit den einheimischen Zigeunern sächsische Höfe. Ab September kehren 16 von 37 Abtsdorfer SS-Angehörigen, die den Zweiten Weltkrieg überlebt haben, nach Abtsdorf zurück, während 21 endgültig in Deutschland verbleiben.